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Warum beschleicht uns an manchen Orten ein so merkwürdiges Gefühl? Weil sie heilige Kultstätten unserer Ahnen waren, Schauplätze historischer Tragödien oder Quellen unergründlicher Kräfte? Alle Antworten, die wir finden, bergen wieder neue Rätsel.
Ein Artikel in der Zeitschrift GEO-SAISON gab mir 1998 den Anstoss für meine 18-tägige Kultur- und Natur-Expedition hin zu besonderen Orten in Deutschland. Den Österreich-Abstecher hoch auf den "Schrankogel" (3.497 Meter) hatte ich mir schon seit Jahren vorgenommen. Am 16. Tag dieser Magische-Orte-Expedition stand ich endlich auf diesem Alpen-Gipfel. Spannend war, dass ich morgens nie wusste, wo ich die kommende Nacht verbringen würde. Daher war mein PKW-Kombi fast immer mein "Hotel", ausgestattet mit Schlafsack, Isomatte, Gaskocher und diverser Ausrüstung!
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1. Expeditionstag:
Goslar - Luftkurort am Nordhang des Harzes: Schatzkammer der deutschen Kaiser. Die 1050 erbaute, im 12. Jahrhundert umgestaltete und im 19. Jahrhundert rekonstruierte KAISERPFALZ ist ein Glanzpunkt romanischer Profanbaukunst.
Übernachtung im Kombi auf einer Waldlichtung zwischen Altenau und Torfhaus am Bruchberg. |
2. Expeditionstag: Waldbedeckte Höhen, einsame Hochmoore und saftige Wiesenhänge, steile Klippen und sanfte Kuppen, freistehende Felsen und tiefe Schluchten, verträumte Bäche und große Stauseen - all das bietet der Harz auf engstem Raum. Wie der Buckel einer schlechtgelaunten Katze liegt der Wurmberg im Oberharz da. Genau im Norden von Braunlage und zwischen den Hochtälern der Kalten und der Warmen Bode. 971 Meter hebt er sich empor, und nur der Brocken überragt ihn. Der Gipfel ist flach. Es waren Menschen, die ihn eingeebnet und das Plateau geformt haben. Dann krönten sie den Berg mit einer archaischen Kultstätte aus Granitblöcken, kreisten sie mit einem Steinwall ein und scharrten Stufen in den Osthang. "HEXENTREPPE" nennt der Volksmund die mit Felsbrocken gepflasterte Stiege, die zum Gipfel führt: Splitter einer verschütteten Kultur? Undatierbar? Vieldeutig und rätselhaft! (Text: GEO-SAISON 1998) Übernachtung im Kombi auf einer Wiese bei Willensen.
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3. Expeditionstag: Im Jahre 1940 richtete die Wehrmacht in Bergen-Belsen ein Kriegsgefangenenlager für 600 französische und belgische Soldaten ein. Das Lager erhält die Bezeichnung "Stalag 311 (XI C)". Ab Juli 1941 treffen ca. 20.000 sowjetische Kriegsgefangene ein, die unter freiem Himmel vegetieren müssen. Allein im Winter 1941/42 sterben 18.000 von ihnen. Im April 1943 wird ein Teil des Lagers an die SS übergeben, die dort das "Aufenthaltslager Bergen-Belsen" einrichtet für Juden, die gegen im Ausland internierte Deutsche ausgetauscht werden sollen. Ab August 1944 werden aus dem KZ Auschwitz-Birkenau weibliche Häftlinge eingeliefert. Ab Januar 1945 werden zehntausende Häftlinge aus frontnahen KZ's in das KZ Bergen-Belsen evakuiert. Völlige Überfüllung des Lagers. Beginn des Massensterbens. Am 15.April 1945 befreien britische Truppen das Lager. Die Baracken werden wegen Seuchengefahr abgebrannt. ....... Unaussprechbares wird hier nüchtern benannt.
Übernachtung im Kombi südlich von Welle an der B 3
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4. Expeditionstag: Calluna, die Schöne, nennen die Botaniker das rötlich bis violett blühende Heidekraut, das Bienen in Schwärmen, Heidschnucken in Herden und Besucher in Scharen in die Lüneburger Heide lockt. Wo sich heute die Besucher von den Schönheiten der Heidelandschaft im Dreieck zwischen Hannover, Hamburg und Lüneburg faszinieren lassen, standen einst ausgedehnte Wälder aus Eichen, Kiefern und Birken. Im Zentrum der Heide liegt der Wilseder Berg (169m). Eine autofreie Zone, wenig Menschen, mystische Stille findet derjenige, der sich zu Fuss dorthin aufmacht. Übernachtung im Kombi auf einer Wiese zwischen Hesedorf und Byhusen
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5. Expeditionstag: In exponierter Lage auf einer breiten Landzunge zwischen Elb- und Wesermündung liegend, wurde Cuxhaven zum gut sichtbaren Orientierungspunkt für die nach Hamburg fahrenden Schiffe. Vom Hafenbollwerk "Alte Liebe" aus lassen sich die jährlich fast 100.000 hier vorbei ziehenden Schiffe beobachten. Per Schiff, bei Ebbe auch zu Fuß oder mit dem pferdegezogenen Wattwagen, gelangt man zur Insel Neuwerk mit dem ältesten Leuchtturm der Deutschen Bucht. Eine Fahrt zu den SEEHUNDBÄNKEN ist für Landratten ein besonderes Erlebnis. Übernachtung im Kombi auf einer Wiese bei Altenwalde, südlich von Cuxhaven
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6. Expeditionstag: Rote Felsen, weisser Sand, grünes Land, Lummerfelsen und Börteboote und natürlich die "Lange Anna" kennzeichnen das einst "heilige" Land der Friesen, die heute gerade noch einen Quadratkilometer grosse Buntsandstein-Insel Helgoland. Im Jahre 1841 dichtete auf dieser Insel Heinrich Hoffmann von Fallersleben das "Lied der Deutschen". Seit 1848 zunehmend als Lied der deutschen Einigungsbewegung verbreitet, bestimmte es der erste deutsche Reichspräsident Friedrich Ebert 1922 zur Nationalhymne. Die Melodie wurde übernommen vom langsamen Satz des "Kaiser-Quartetts", das Joseph Haydn 1797 komponierte (opus 76, Nr. 3). Heute wird in der Bundesrepublik bei offiziellen Anlässen die dritte Strophe des Deutschlandliedes gesungen.
Besuch von Worpswede, der Künstlerkolonie bei Bremen Übernachtung im Kombi bei Dörverden, B 215
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7. Expeditionstag: Die ostwestfälische Kreisstadt Minden verdankt ihre Entstehung Karl dem Grossen, der um 800 an der alten Weserfurt einen Bischofssitz errichtete. Unbedingt sehenswert ist das WASSERSTRASSENKREUZ im Norden der Stadt. Hier wird der Mittellandkanal auf einer 375m langen, trogartigen Brücke über die Weser geführt. Die 1911-14 erbaute Anlage ist das grösste Bauwerk der Binnenschiffahrt Europas. Eine 83m lange Schachtschleuse überwindet den Höhenunterschied von 13m zwischen Weser und Mittellandkanal. Nur 7 km sind es zum Durchbruch der Weser durch das Weser- und Wiehengebirge, zur Porta Westfalica. Übernachtung im Kombi auf einer Wiese östlich von Bad Lippspringe
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8. Expeditionstag: Säulen aus Sandstein, manche davon 35 Meter hoch, und niemand weiss etwas Genaues darüber. Am Fuss des Teutoburger Waldes, nicht weit von der Stadt Paderborn, stellt Deutschland der Welt ein Rätsel. Die Externsteine. Sind sie von Menschen gemacht oder von der Natur? Sind sie Reste einer versunkenen, jahrtausendealten Zivilisation? Welcher Gottheit waren sie geweiht, und wann? Die Christen haben hier vor bald tausend Jahren zwei Kapellen gebaut, einen Altar, sie haben ein gewaltiges Relief in den Fels gehauen, die "Kreuzesabnahme Christi". Nördlich der Alpen war es das grösste Kunstwerk dieser Art, zu seiner Zeit. Aber als das Christentum in den Teutoburger Wald kam, waren diese Steine schon uralt. Welcher Zauber war so stark, dass nur ein solch monumentales Werk ihn übertrumpfen konnte? (Text: GEOSAISON 98)
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8. Expeditionstag: Auf einer Bergkuppe im Teutoburger Wald südlich der Stadt Detmold reckt Herrmann der Cherusker sein Schwert in die Höhe. Das Hermannsdenkmal wurde 1875 durch den Baumeister Ernst von Brandel errichtet. Mit seiner Höhe von fast 54 Metern überragt es den Teutoburger Wald und ist das Wahrzeichen der gesamten Region. Es soll an den germanischen Sieg über die Legionen des römischen Feldherrn Varus im Jahre 9 n.Chr. erinnern. Die Berühmtheit des Hermannsdenkmals wird durch die Nachbildung in den USA deutlich (New Ulm, Minnesota).
Übernachtung im Kombi auf einer Bergwiese östlich von Boffzen bei Höxter

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